Schwebestativ-Stabilisator / richtig Eingestellt

Tolle Sache - wenn perfekt eingestellt wurde

Tolle Sache – wenn perfekt eingestellt wurde

Im letzten Beitrag hat horstl sich mit dem Erwerb eine Schwebestativ auseinander gesetzt. Jetzt hat er so ein Teil gebraucht erworben. Prima – nur das Wissen um die richtigen Einstellungen aus dem Internet haben ihn nicht befriedigt. Irgend so ein Knallkopf hat da bei Youtube was von Centre of Gravity finden geschwafelt. Ich weiß nicht warum so viele Idioten alles amerikanisieren müssen. Das schlimme dabei ist, dass er sogar keine Ahnung hatte, wovon er da geschwafelt hat. Ok, ich bin Ingenieur und spreche auch deutsch! Also erkläre ich in diesen Beitrag wie man ein Schwebearm-Stabilisator richtig einstellt. Denn eins ist glasklar – nur so kann man das Ding richtig nutzen.

1. Wie finde ich den Massenmittelpunkt an der richtigen Stelle
Das habe ich nirgendwo erklärt gefunden. Brauch man das überhaupt? JA!!! Beim Schwebearm ist das Herzstück dort, wo sich alle Achsen treffen.

Herzstück die Kardanische Aufhängung

Herzstück die Kardanische Aufhängung

Wenn also genau in der Mitte des Rohres der Massenschwerpunkt liegt, dann kann man die Kamera in jegliche beliebige Position bringen und sie wird sich nicht von der Stelle bewegen. Das ist tatsächlich dann der Centre of Gravity des Schwebearmes plus Kamera. Das erfordert eine Menge an Geduld, denn jegliche kleinste Verschiebung wirkt sich gewaltig aus. Hier zeigt sich auch die Qualität der Lager des Schwebearmes – sind die gut, muss man sehr genau Austarieren. Ich habe gut 3 Stunden herumgetüftelt bis ich es geschafft habe. Das Ergebnis hat mich voll aufgebaut.

Juhuuuu - den Massenmittelpunkt gefunden. Egal wie man die positioniert, sie bleibt dort!

Juhuuuu – den Massenmittelpunkt gefunden. Egal wie man die Kamera positioniert, sie bleibt dort ruhig stehen!

2. Kann man den Schwebearm jetzt so nutzen?
Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten. Ein 3-Achsen-Gimbal arbeitet so. Er regelt ständig mit mehreren Motoren die Suche nach dem Massenschwerpunkt währen der Bewegung und im Stillstand nach. Ich habe mal solche Regelsysteme entwickelt, keine einfache Aufgabe. Das Problem sind die Reibungskräfte der Kugellager und die kleinen Veränderungen durch Wärmeausdehnungen im Material. Wie gesagt, die kleinsten Änderungen haben eine sofortige Auswirkung auf den Massenschwerpunkt. Die Folge ist, dass die Kamera bei der kleinsten Bewegung sofort in allen möglichen Richtungen zu wandern beginnt. Da gibt es schon Abhilfe, denn mit der freien Hand hält man ohnehin das Rohr des Schwebearmes ganz sanft und möglichst ruhig fest. Hier zeigt sich warum ein 3-Achsen-Gimbal teurer ist – du brauchst nichts festhalten.
Entgegen der allg. Meinung, finde ich schon, dass der Schwebearm so genutzt werden kann. Ich darf halt dabei höchstens eine Sekunde das Rohr loslassen. Dafür ist die Stabilisierung optimal. Der Schwebearm schluckt, so eingestellt, alle Bewegungen in alle Richtungen erstaunlich gut. Vor Allem Start- und Stop-Laufbewegungen des Filmers verursachen keine Wackel- oder Schwebebewegungen im Clip. Ein geübter Filmer ist bei der Einstellung sicher fast genauso gut wir ein Gimbal. Aber genaueres unter Punkt 4.

3. Was empfehlen die Hersteller?
Ich habe mich zunächst daran gehalten und war nicht happy mit dem Ergebnis.

Y-Achse (Höhenkalibrierung)

ZY-Achse (Tiefen- und Breitenkalibrierung) zunächst senkrechte Kalibrierung

Als erstes soll das Gewicht (unten Angebracht) den Schwerpunkt nach unten verlagern. D.h., Die Kamera schwebt immer nach oben. Dadurch wird sichergestellt, dass das Bild in der X-Achse auch horizontal bleibt. Jetzt soll mann solange die Kamera auf dem Schlitten nach vorne oder hinten verschieben, bist die Kamera senkrecht zum Boden steht.

waagrechte Kalibrierung

ZY-Achse (Tiefen- und Breitenkalibrierung) waagrechte Kalibrierung

im zweiten Schritt soll dann die Kamera im Schlitten nach links oder rechts solange verschoben werden, bis der Horizont auch waagrecht eingestellt ist. Je nach Modell, kann mann auch die Gewichte unten am Fuß verstellen. Das hat auch Nachteile, denn verstellt mann die Länge des Stabes, ist die Horizontale Kalibrierung futsch. Ideal wäre, wenn die Gewichte absolut symmetrisch angebracht wären. Das ist bei meinem Teil nicht der Fall. Das nervt mich leider sehr.

Perfekte Kalibrierung

Perfekte Kalibrierung

So sollte es also aussehen. Hat die Kamera oder Camcorder ein Achsenkreuz, kann man das Ergebnis wunderbar überprüfen.

Tolle Sache - wenn perfekt eingestellt wurde

Jetzt noch den Schwerpunk durch die Gewichte oder Rohrlänge einstellen

Zum Schluss soll man noch die Kamera schwingen lassen, je schnelle, desto mehr Hebelwirkung durch den unteren Armabschnitt. Das ist primitive Physik (Das Drehmoment auf das Lager wird durch die Länge des Hebels und die entstehende Kraft erzeugt). Die Kombination von Gewichten (Masse) und Länge bestimmen das Moment. Die Herstelle empfehlen … nach blablabla Sekunden sollte die Kamera ausgependelt haben. Ich habe alles mögliche ausprobiert, fest im Glauben, da stimmt was nicht ganz. Aber Gutgläubig, wie ich nun mal bin, machte ich mich auf dem Filmweg nach Draußen. Dann denkt man, wie horstl – juhuu jetzt passt alles und fällt voll auf die Schnauze. Warum? Das erkläre ich gerne.

Wellenförmige Bewegungen allen Richtungs- und Geschwindigkeitsänderungen

Wellenförmige Bewegungen bei allen Richtungs- und Geschwindigkeitsänderungen

Das Problem ist das größere Drehmoment, dass bei Bewegungsänderungen am unteren Teil des Stativrohres entsteht. Dabei schwenk die Kamera , die oben am Rohr angebracht ist in entgegengesetzter Richtung zur Bewegugnsänderung aus. Dieses Geeiere ist entsetzlich nervig. Die einzige Möglichkeit das zu verhindern ist den Schwebearm bei jedem Richtungs- oder Tempowechsel  festzuhalten. Die Gehwackelbewegungen werden gut ausgeglichen, dafür komm beim Betrachten der Clips so ein Übelkeitsgefühl auf,  man glaubt auf hoher See zu sein. Das Ergebnis meiner ersten Versuche waren eher bescheiden und ich war enttäuscht. Muss doch ein teurer Gimbal her? Nein, das will ich sicher nicht!

hahaaaa - horstl hat die volle checkung

hahaaaa – horstl hat die volle checkung

4.horstls Emphehlungen für perfekte Funktionsweise
Als erste Maßnahme sollte man den Massenmittelpunk des Systems möglichst genau einstellen. Das ist etwas mühselig aber es lohnt sich wirklich. Danach den Schwerpunkt durch die Verlängerung des unteren Rohres geringfügig verstellen. Lässt man die Kamera Pendeln, dann darf diese Bewegung nur ganz langsam stattfinden. Beim Filmen mit der freien Hand und zwei Fingern ganz sanft und unverkrampft den unteren Rohrabschnitt festhalten. Das gilt besonders bei Richtungs- und Geschwindigkeitsänderungen. Ich empfehle dringend keine Zoomobjektive in dieser Konstellation zu verwenden. Jede Gewichtsverlagerung durch Zoomen wirkt sich negativ auf das System aus. Leichte Objektive sind sicher vorteilhaft, der Arm leidet mit der Zeit ziemlich. So jetzt gehe ich selber üben, denn ohne Übung geht es nicht oder doch? Ja schon, wenn man entweder ein Gimbal kauft oder erst gar nicht filmt. Gut ich muss da üben… für USA – warum erzähl ich erst, wenn es soweit ist. Aber keine Panik – ich bin und bleib Fotograf.

Erste Testaufnahmen findest du: hier 😉

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Horst von Bohlen