Gib mir mehr Blitzpower

Sportfotos machen, vor allem im Laufsport ist einfach auch mein Ding. Mittlerweile habe ich viel Erfahrung sammeln können. Ich mache nicht kommerzielle Bilder und ich verkaufe auch keine Bilder an Sportler. Meistens arbeite ich für die Veranstalter – für Werbezwecke. Eigentlich mach ich das alles nur, weil ich neugierig auf Experimente bin. Ah, ja – und ich mache es für meine Frau 🙂 sie liebt meine Bilder und baut diese in ihren Blog ein. running zuschi
Gibt es was geileres als richtig coole Outdoor Bilder? Ja – immer neue Techniken ausloten. Klar, das kostet Zeit und viel Geld. Was solls – das Leben ist so kurz. Heute verrate ich etwas über Blitze – weil ich liebe Geistesblitze und … die Technik ist aber sowas von genial. Viel Spaß!

SONY DSC

Du kannst nicht genug davon haben BLITZPOWER im Outdoor-Bereich. Keine Panik – dein Model wird das schon überleben. Dieses Bild ist nicht perfekt und ohne Vorbereitung entstanden. Ein Blitzkopf frontal, 200 Ws, zwei Blenden unterbelichtet und Peng.

Blitzen ist so eine einfache Sache. Der normale Nutzer packt den Blitz aus, steckt ihn dran, stellt alles auf Auto und fotografiert. Die meisten Kameras haben einen eingebauten Blitz der, je nach Bedingung, automatisch aufklappt und blitz. Das ist einer meiner Lieblingsmotive – diese Nutzer 🙂 Nein ich will sie nicht auslachen, aber es ist schon voll lustig. Draußen ist es Stockdunkel und die Pocketkamera gibt ein lächerliches Blitzchen ab. “ Vati, dat is alles Schwarz geworden“ OK, Spaß beiseite.

In der Sportfotografie ist ein Blitz eine tolle Sache. Das Problem ist, je mehr Umgebungslicht da ist, desto mehr Blitzpower braucht man um gute Bilder zu schießen. Klar, die Aufsteckblitze bringen eine Leitzahl von 60 und mehr zustande. Sie sind recht intelligent gebaut, denn je nach Objektiv und Einstellung, verändern sie das Leuchtverhalten. Dadurch streuen oder bündeln sie das Licht. Coole Sache, aber das Problem ist einfach die Power. Da gibt es nur eine Lösung – Profi Battery Packs, die mittlerweile keine Tonnen mehr wiegen. Mein Liebling ist der Ranger Quadra von Elinchrom, noch besser der neue ELB 400, am besten alle Beide besitzen!

Will man die Leistung der Systeme Aufsteckblitz und Battry Pack untereinander vergleichen, gerät man ins Wanken, denn man vergleicht Äpfel mit Birnen. Leitzahl für Ansteckblitze und Joule (Ws) für Powerpacks. Frage: Geht das Überhaupt? Antwort: leider nein! Da muss man erst mal verstehen, was mit diesen Begriffen gemeint ist.

Ansteckblitze
Die Angabe der Leitzahl ist eine Reliquie aus den Urzeiten der Fotografie. Leider hat sich das bis heute gehalten und sorgt für Verwirrung. Was bedeutet Leitzahl und wieso wurde diese eingeführt? Früher wollte der Fotograf wissen, wie er seine Blende für das vorhandene Blitzgerät einstellen muss, wenn der Gegenstand in einer bestimmten Entfernung von dem Blitz weg ist. OK, aber da gibt es noch die Filmempfindlichkeit (ISO) und die Belichtungszeit. Das ist korrekt. Die angegebene Leitzahl gilt immer nur für eine Filmempfindlichkeit. Für die meisten Ansteckblitze üblicherweise ISO 100. Die Belichtungszeit ist völlig Wurscht für die Leitzahlangabe – aber warum? Weil diese Angaben sich auf die absolute Dunkelheit beziehen; das bedeutet ob 1/200 s oder 5 Tage belichtet wird ist egal, da die einzige Lichtquelle das brennen des Blitzes ist. Die Brennzeit des Blitzes ist unterschiedlich lang, je länger, desto mehr Licht wird abgegeben. Es gibt noch die Nachbrennzeit des Blitzes. Gute Blitzgeräte erlöschen sehr schnell – aber das ist ein anderes Thema. Zusammenfassend kann man sagen:

Entfernung = Leitzahl/Einzustellende Blende (bei ISO 100 Empfindlichkeit) und absoluter Dunkelheit. Das ist für die Praxis unbrauchbar, hilft aber die Materie zu verstehen.

Beispiel: Blitzangabe Leitzahl 60 (ISO 100)

Frage: welche Blende muss ich für mein Blitz einstellen, wenn ich ISO 100 habe und mein Gegenstand 8 Meter entfernt ist?

Antwort: f = LZ/s = 60/8m = 7,5  (7,1)

Dieser Wert gilt, wie gesagt nur bei absoluter Dunkelheit und einer Kameraeinstellung von ISO 100! Bei ISO 200 muss man umrechnen, und zwar den Blendenwert mit 1,41 multiplizieren: unser Beispiel f=10,5 (10). Die andere Möglichkeit ist, dass ich die Blende mit 7,5  behalte und dafür mein Objekt um 1,41 entferne; also auf 11,3 Meter nach hinten versetze. Jede weitere Verdoppelung des ISO Wertes wir mit 1,41 berechnet (Iso 400; f=15). Ich erkläre hier nicht warum es so ist, ist eh schon kompliziert genug.

Spätestens jetzt wird jedem klar, dass das sehr wenig mit der Fotografenrealität zu tun hat. Absolute Dunkelheit haben wir nie, daher spielt die Belichtungszeit eine große Rolle. Moderne Ansteckblitze blitzen daher selten mit der vollen Leistung. Das ganze wird noch viel komplizierter, weil wie ich schon sagte; gute Ansteckblitze ändern je nach Entfernung auch ihr Leuchtverhalten.

Nähern wir uns vorsichtig der Realität an.
Wir haben Umgebungslicht. Wir können auch davon ausgehen, dass unser Objekt vom Blitzlicht und vom Umgebungslicht beleuchtet wird. Ich werde bei der Blende von 7,5 nicht die gesamte Blitzleistung brauchen, sondern weniger und ich werde nur solange wie nötig belichten. Um das zu verstehen, kann man sich ein einfaches Bild vorstellen. Damit mein Objekt perfekt auf meinem Sensor belichtet wird, brauche ich eine definierte Menge Licht vom Objekt, mit dem mein Sensor angestrahlt wird. Diese Lichtmenge entspricht einem vollen Wasserglas. Das Umgebungslicht füllt ein Teil davon aus, der Blitz macht den Rest. Beides braucht Zeit (Belichtungszeit). Der Sensor wird je nach Blende (Öffnung) intensiver oder schwächer bestrahlt. Moderne Ansteckblitze müssen daher das Licht am Objekt messen und je nachdem mehr oder weniger Blitzen. Das können die mittlerweile recht gut. Manche können sogar während dem Blitzen messen und Nachregeln. Für den Normalverbraucher ist das eine geniale Sache. Das ganze funktioniert solange gut, wie der Blitz das notwendige Licht liefern kann. Ist die gebrauchte Lichtmenge größer als die maximale Lichtentwicklung des Blitzes, versagt das System (die Mutti, die nachts den ganzen Bodensee mit der Pocketkamera fotografieren will). Ebenfalls problematisch ist es, wenn das Objekt von hinten mit Licht angestrahlt wird. Das kann kein Blitz automatisch lösen. Daher haben Kameras die Funktion Aufhellblitzen. Dabei wird trotz viel Umgebungslicht kräftig „dagegen“ geblitzt, damit das Objekt nicht nur als schwarze Kontur abgelichtet wird. Auf freier Wildbahn ist das sehr häufig der Fall. Beim Sport ist es fast die Regel. Da kann man es sich kaum erlauben den Sportlern vorzuschreiben, dass sie bitte doch von der anderen Seite kommen sollen. Was hat das für Folgen und was tun?

Her mit der Blitzpower
Am Anfang meiner Sportfotokarriere habe ich teures Lehrgeld zahlen müssen. Stolz wie Harry ging ich mit meinen Ansteckblitzen zu Events. Topteile, mit gut 60 Leitzahl. Es war eine Niederlage auf der kompletten Linie. Die Gegenlichtbilder, die einigermaßen gut waren konnte ich an einer Hand zählen. Manche waren zu hell, andere waren zu dunkel oder verschwommen, andere hatten einen komischen Schleier und meine Blitze waren ständig überlastet und schalteten sich, zum abkühlen, aus. Ein Haufen Geld zum Fenster herausgeworfen? Nein, denn die Blitze nutze ich nach wie vor, wenngleich nicht mehr bei Sportveranstaltungen. Heute weiß ich warum mir das passiert ist. Dafür sind die nicht gebaut. Wie ich schon sagte, je heller die Umgebung, desto mehr Power braucht ein Blitz um vernünftig zu arbeiten. Und da war mein Hauptproblem. Als Ingenieur hätte ich vorher überlegen müssen, dass Leitzahl 60 wenig über die Power eines Blitzes aussagt. Diese Blitze können eine Energie von ca. 40 – 70 Joule (WattSekunden) in Licht umsetzten. Das reicht gut um eine kleine Fläche mit Licht zu versorgen, Wohnräume zu beleuchten. Das reicht auch, um einzelne Gegenstände im Outdoorbereich vernünftig auszuleuchten. Für richtig coole Fotoshootings braucht man andere Voraussetzungen. Mehr Lichtfläche und viel mehr Power!

Wie macht man coole Outdoor Bilder?
Das ist sicher eine Wissenschaft für sich und jeder Fotograf hat da seine Geheimnisse. Ich übrigens auch. Ein Bisschen davon verrate ich hier. Wenn ich viel Blitzpower habe, nehme ich die ISO Einstellung  mit 50 – 400, nicht höher. Ich widme zunächst meine gesamte Aufmerksamkeit auf die Umgebung und das ohne zu Blitzen! Ich arbeite immer mit einem externen Belichtungsmesser (es gibt recht gute und günstige Belichtungsmesser um die 300 €, z.B. Gossen Digipro F) und stelle meine gewünschte Belichtungszeit und mein ISO Wert als feste Parameter ein. Dabei mache ich an neuralgischen Punkten mehrere Messungen und wähle je nach Location meine Kameraeinstellungen. Warum das? Weil ich die Sportler nicht verschwommen auf meinen Bildern sehen möchte. Die normale schnellste Blitzsynchronisationszeit von 1/250 s reicht für schnelle Bewegungsabläufe nicht aus. Daher ist HSS (High Speed Synchronisation) für Sport ein Muss! 1/500 s – 1/2000 s haben sich bewährt; bei hohem Lichtanteil und geschlossener Blende, kann es schon in Richtung 1/8000 s gehen, ist aber sehr unwahrscheinlich. Bei offener Blende kommt es häufiger vor. Warum die Blitzsynchronisationszeit auf 1/250 beschränkt ist, hat was mit der Bauweise von den Verschlüssen der Kameras zu tun. Diese sind nämlich für Dauerlicht gebaut und nicht für kurze Blitzsequenzen. Ab einer bestimmten Zeitgrenze ist nicht der gesamte Sensor für das Licht offen, sondern wird bereits von einem zweiten Verschluss geschlossen. Das ist mechanisch bedingt, denn sonst wären die schnellen Verschlusszeiten kaum realisierbar. Leider synchronisieren bei kleinen Belichtungszeiten (< 1/250 s) nicht mit den kurzen Blitzsequenzen, d.h., das Blitzen hört zu schnell auf und nur ein Teil vom Sensor wird belichtet. Ein großes Manko. HSS fähige Blitze können länger leuchten, indem sie mit hoher Frequenz gepulst werden oder einfach schwächer und länger Leuchten. Somit gaukelt man ein Dauerlicht vor. Ist irgendwie idiotisch aber leider so. Die gängigen Kameras brauchen für kurze Belichtungszeiten länger das Licht für eine fehlerfreie Funktion. Klar gibt es Kameras die anders aufgebaut sind und diese Phänomene nicht produzieren, sie kosten nur mindestens 30.000 Euro. Ich gehe mit so einem Teil nicht ins Gelände! OK, aber zurück zu der Aufgabe. Angenommen ich würde jetzt am Belichtungsmesser bei 1/1000 s; ISO 100 eine Blende von 9,0  ablesen, dann stelle ich meine Kamera, die immer im Manualmodus arbeitet, mit t=1/1000 s und f=10 oder f=11 ein. Mit dieser Unterbelichtung probiere ich ein paar Bilder und wähle danach was mir besser gefällt. Jetzt werden sich einige Fragen, warum ich unterbelichte. Die Antwort ist: wenn ich die Umgebung unterbelichte, habe ich für mein Objekt die Möglichkeit es mit Blitzlicht richtig zu Belichten. Ansonsten würde ich den Sportler überbelichten. Konkret habe ich eine bis zwei Blenden Luft für mein Objekt der Begierde :). Außerdem ergibt diese Einstellung ein wunderschönes Ambiente und stellt den Sportler auf einfache Weise frei. So – und jetzt richte ich die Blitzköpfe auf die Punkte wo ich Sportler erwarte. Klar – das ist jetzt wirklich die Kunst und über Kunst lässt sich bekanntlich streiten. Nach dieser Vorarbeit richte ich meine Blitzköpfe aus und messe mit dem Belichtungsmesser die richtige Power der Blitze. Danach korrigiere ich eventuell die Kameraeinstellungen, aber das ist sehr selten der Fall. Ich versuche eher mit der Blitzeinstellung das Optimum herauszuholen. Daher schweige ich über Lichtformer, Positionen, Ausrichtung, Anzahl, etc.. Es ist ja immer eine Frage des Gewichtes. Meine Obergrenze sind 25 Kg die ich mit mir herumschleppe.

Minimalausstattung
Zwei Blitzköpfe mit insgesamt einem Generator von 400 Joule halte ich für OK. Damit kommt man in der Regel gut aus. Das entspricht in etwa der Power von 6-8 Ansteckblitze. Der Vorteil guter Profiblitze ist, dass diese wesentlich belastbarer sind und sehr sauberes Licht liefern. Ich liebe die Geräte von Elinchrom, haben mich noch nie im Stich gelassen. Die sind nicht ganz billig und so um die 2000 € muss man schon für die Grundausstattung rechnen. Es lohnt sich aber und macht richtig Laune. Mein Tipp ist es immer neue Sachen auszuprobieren und nicht immer das machen, was andere für richtig halten. Viel auszuprobieren, viel herumexperimentieren ist immer vorteilhaft.

Fazit

– Ansteckblitze sind relativ leistungsschwach (ca. 40 – 70 Joule). Die angegebene Leitzahl ist nicht mit der tatsächlichen Leistung vergleichbar. Diese Geräte sind nicht für den Dauereinsatz im Outdoorbereich geeignet.

– Powerpack Portable Blitze sind sehr leistungsstark und Outdoor fähig. Sie wiegen nicht mehr die Welt und sind zuverlässig im Dauerbetrieb.

– Outdoorblitzen ist sehr cool, aber nicht mit Ansteckblitz. Umgebung unterbelichten und HSS fähige, leistungsstarke portable Systeme nutzen (400Ws). Kurze Zeiten, Blende je nach Motiv und Lust (Tiefenschärfe ja/nein). Je heller der Tag und die Location, desto mehr Power brauchst du. Viel hilft viel! Problem -> du kannst dabei deine Models oder Sportler sehr erschrecken -hihi – macht auch Laune und hilft für den Adrenalinkick. Wichtig: du musst schneller rennen können als deine Opfer 😉

Diese Bild ist in der Römerschlucht beim Trailmaniak Wörtherseetrail  entstanden. Ich habe mit 4 Blitzköpfe gearbeitet, die Vignettierung an den Bildrändern ist gewollt und verstärkt die Präsenz der Läufer

Dieses Bild ist in der Römerschlucht beim Trailmaniak Wörtherseetrail entstanden. Ich habe mit 4 Blitzköpfen gearbeitet, die Vignettierung an den Bildrändern ist gewollt und verstärkt die Präsenz der Läufer

One Response to Gib mir mehr Blitzpower

  1. horstvonbohlen says:

    Danke an Jens Weber, der mich auf einen Fehler in der Blendeneinstellung aufmerksam gemacht hat 🙂 schon korrigiert

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Horst von Bohlen